Radiolyse

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Aktuelle Version vom 13. März 2011, 21:30 Uhr

Radiolyse ist die Zerlegung einer chemischen Bindung unter Einwirkung ionisierender Strahlung, insbesondere die zerlegung Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, also hochexplosives Knallgas.

Wortherkunft: radiare (lateinisch): strahlen) und Lyse (griechisch λύση, die Lösung).

Die Radiolyse von Wasser vollzieht sich in mehreren Schritten:

  1. Unter dem Einfluß von ionisierender Strahlung wird ein Elektron des Sauerstoffs aus der Elektronenhülle herausgebrochen. Damit entstehen H2O+ und e-
  2. Das positiv geladene Wassermolekül zerfällt in H+ und ein OH-Radikal.
  3. Das im ersten Schritt freigesetzte Elektron kann mit einem weiteren Wassermolekül zum sog. hydratisierten Elektron reagieren. Aus diesem kann ein weiteres OH-Radikal entstehen.

Das entstandene OH-Radikal ist für die überaus schädliche Wirkung von Gammastrahlung in Lebewesen verantwortlich.

Im Primär-Kühlwasser von Siedewasserreaktoren kann auf diese Weise Knallgas entstehen und Teile des Reaktors zerfetzen, so daß der Reaktorkern nicht mehr gekühlt werden kann.

Durch Radiolyse entstandener Sauerstoff hat wahrscheinlich während des GAUs im Kernkraftwerk Three Mile Island zusammen mit durch Oxidation von Zirkonium entstandenem Wasserstoffgas Knallgas erzeugt und eine gewaltige Explosion im Bereich des Sicherheitsbehälters erzeugt.

Auch für das Zerfetzen einer 10 cm dicken Rohrleitung mit AKW Brunsbüttel am 14. Dezember 2001 wird Radiolyse-Knallgas als Ursache vermutet.

Durch Knallgas zerfetztes Rohr, AKW Brunsbüttel 2001

Gleichfalls wird Knallgas als Ursache für das Bersten von Block 1 im AKW Fukuschima am 12. 3. 2011 in Frage; Dach und Verkleidung des Reaktorgebäudes wurden weggefetzt.

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